Schlafendes Mädchen im Blogbeitrag zum Thema Schlafstörungen im Kindes- und Jugendalter von Kinderärztin Dr. Amelie Erbler

Schlafstörungen im Kindes- und Jugendalter

Warum gibt es Schlafstörungen schon im Kindes- und Jugendalter?

Viele Eltern sorgen sich um das Schlafverhalten ihrer Kinder und beschäftigen sich mit Schlafstörungen. Gerade, was ein optimales Schlafverhalten betrifft, gelten verschiedene Maßstäbe.

 

Das Alter zum Beispiel: Ein Neugeborenes weiß noch nicht, dass es einen Unterschied zwischen Tag und Nacht gibt. In der Regel passt es sich aber bereits nach wenigen Tagen dem äußeren Taktgeber an. In den ersten Lebenswochen ist der Wechsel zwischen Nahrungsaufnahme und Schlafen bestimmend. Bis zum 6. Lebensmonat entwickelt sich dann normalerweise eine zusammenhängende Schlafperiode mit eventuellen Unterbrechungen in der Nacht zur Nahrungsaufnahme. Im Verlauf des ersten Lebensjahres wird die Schlafmenge weniger und verschiebt sich zusehends auf die Nacht.

 

Bis zum Ende des ersten Lebensjahres sind bereits viele Kinder in der Lage, komplett durchzuschlafen. Einige Jahre später, im Teenager-Alter, wird das Schlafen neu „aufgesetzt“. Der gelernte Schlaf-Wach-Rhythmus kann aufgrund der Pubertät verschoben werden, was zu einem Schlafdefizit führt.Es gibt bestimmte Vorkommnisse und Probleme, die den optimalen Schlaf beeinträchtigen können. Welche Gründe es für Schlafstörungen im Kindes- und Jugendalter gibt und wie Sie damit umgehen können, erklären wir Ihnen in diesem Blog-Beitrag.

Verschiedene Schlaftypen

Jeder Mensch hat seinen eigenen Schlafrhythmus, der sich auch daran orientiert, welcher Schlaftyp er ist. Hierbei gibt es z.B. die Morgenmenschen. Sie werden als Lerchen bezeichnet, da sie frühmorgens schon wach und munter sind. Im Gegensatz dazu stehen die Eulen: Sie sind sozusagen nachtaktiv und zeigen morgens Schwierigkeiten, in den Tag zu starten. Allerdings sind sie in den Abendstunden besonders aktiv und leistungsfähig.

 

Zudem braucht jeder Mensch eine unterschiedlich lange Schlafenszeit, um sich gut und ausgeruht zu fühlen. Es gibt Kurzschläfer und Langschläfer – auch schon im Kindes- und Jugendalter.

Einschlafprobleme in verschiedenen Altersstufen

In den ersten Lebenswochen kommt es häufig zu unruhigen Phasen des Säuglings, die sich nicht nur auf den Schlaf, sondern auch auf die wachen Momente des Babys auswirken können. Schreit Ihr Sprössling anhaltend und lässt sich nur schlecht beruhigen, sollte er von uns untersucht werden. Es ist möglich, dass es eine organische Ursache für das Verhalten gibt, aber auch, dass Ihr Kind ein Schreikind ist. Hierfür gibt es spezielle Schreikind-Sprechstunden, in denen wir Sie beraten, wie Sie am besten mit dem Kind umgehen.

 

IIst das Kind dem Säuglingsalter entwachsen, lernt es tagtäglich neue Dinge und kann schon selbstbestimmt handeln. Diese Selbstbestimmung muss es abgeben, wenn es Schlafenszeit ist. Manche Kinder haben Angst, fürchten sich vor dem zu Bett Gehen und versuchen den Zeitpunkt immer weiter hinauszuzögern. Hier können ein Kuscheltier und ein schönes Einschlafritual helfen, das sich jeden Abend wiederholt.

 

Jugendliche benötigen aufgrund der rasanten Entwicklungsprozesse in ihrem Körper durchschnittlich regelmäßig ca. 9 Stunden Schlaf. Sie neigen jedoch dazu, häufig deutlich weniger zu schlafen. Am Wochenende wird dieses dann definitiv ausgeglichen. Es können aber auch Einschlaf- und Durchschlafstörungen auftreten, die z.B. durch Probleme in der Schule, erste Erfahrungen im Liebesleben oder auch organische Ursachen entstehen können. Sie als Eltern bekommen davon manchmal gar nichts mit. Die Jugendlichen zeigen häufig Müdigkeit in den ersten Tagesstunden.

Gängige Ursachen für Schlafstörungen bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen

  • Nachtschreck
    Der als Pavor nocturnus bezeichnete Nachtschreck ist eine Störung des Schlafes, die meist im Kleinkindalter vorkommt. Das Kind erwacht in der Regel in der ersten Nachthälfte aus dem Tiefschlaf, es schreit und hat Angst. Dabei ist es nicht vollkommen wach und auch nur schlecht zu wecken. Meist weiß es am nächsten Tag nicht mehr, was in der Nacht geschehen ist. Der Nachtschreck kann durch Faktoren wie Fieber, emotionalen Stress oder Schlafmangel ausgelöst werden.
 
  • Schlafwandeln
    Schlafmangel, Fieber, Schmerzen, eine gefüllte Blase oder die Nebenwirkungen von Medikamenten können Schlafwandeln (Somnambulismus) auslösen. Dieses Phänomen tritt meist im ersten Schlafdrittel auf und läuft mit komplexen Bewegungen ab: Das Kind blickt umher oder steigt aus dem Bett. Es ist nur schwer zu wecken und erinnert sich am nächsten Morgen nicht mehr an das Schlafwandeln. Die Verletzungsgefahr bei Schlafwandlern ist groß, daher ist es wichtig, die Schlafumgebung des Kindes zu sichern.
 
  • Albträume
    Bevorzugt in der zweiten Nachthälfte können schlechte Träume mit angsterregenden Inhalten auftreten. Das Kind erwacht und erschrickt. Infolgedessen kann es zu Problemen beim erneuten Einschlafen kommen. Als Auslösefaktoren werden z.B. Stress oder bestimmte, vielleicht auch traumatische Erlebnisse angesehen. Ab und an schlecht zu träumen, ist vollkommen normal und tritt auch bei Erwachsenen auf. Sollte das Kind aber regelmäßig von Angstträumen geplagt werden, sollten die Trauminhalte aufgemalt oder aufgeschrieben werden. Ein Arztbesuch ist empfehlenswert.
 
  • Bettnässen
    Im Laufe der Zeit stellt sich das Wasserlassen ins Bett in der Regel von allein ein. Kommt es nach dem 5. Lebensjahr mindestens 2 Mal pro Monat zum Bettnässen (Enuresis nocturna), sollten Sie einen Termin bei uns zur Untersuchung und Abklärung vereinbaren.
 
  • Schnarchen und Atemaussetzer
    Faktoren wie vergrößerte Rachenmandeln/Polypen, Gaumenmandeln, eine verkrümmte Nasenscheidewand oder Übergewicht können dazu führen, dass das Kind in der Nacht schnarcht oder sogar Atemaussetzer bekommt. Dies wird häufig auch bei Kindern mit Down Syndrom, einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, einer Fehlstellung des Unterkiefers oder anderen Erkrankungen ausgelöst. Besonders problematisch sind Atemaussetzer, denn sie bewirken einen Abfall des Sauerstoffgehalts im Blut und können den Schlaf in seinem Ablauf beeinträchtigen. Es drohen Folgeschäden wie Entwicklungs- und Wachstumsverzögerungen, nächtliches Schwitzen, Bettnässen, Herzrhythmusstörungen oder Kopfschmerzen am Morgen. Betroffene Kinder sind am Tag häufig überdreht und zeigen ähnliche Symptome wie ADHS-Patienten.
 
  • Bewegungen im Schlaf
    Während Erwachsene häufig ruhiger schlafen, „arbeiten“ Kinder während der Nachtruhe. Sie bewegen sich und verändern deutlich häufiger ihre Schlafposition. Das ist vollkommen normal. In manchen Fällen entwickeln Kinder aber auch Bewegungsstörungen wie das Restless Legs Syndrom mit unruhigen Beinen. Bei manchen Kindern können auch schlafbezogene Beinkrämpfe auftreten, die es wecken und ein Wiedereinschlafen verhindern.
 
  • Zähneknirschen
    Der sogenannte Bruxismus kann sich vor allem im Jugendalter zeigen. Auslöser sind Kieferfehlstellungen, Ängste und Anspannungen.
 
  • ADHS
    Kinder mit Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom ADHS müssen häufig Medikamente einnehmen. Es kommt vor, dass ihre Wirkung in den Abendstunden nachlässt, was wiederum zur Störung der Nachtruhe führen kann.Dadurch können sich am nächsten Tag die Symptome des ADHS wieder verstärken. In diesen Fällen ist es sinnvoll, die Medikation so einzustellen, dass die Abendstunden mittherapiert werden.
 
  • Tagesmüdigkeit und Neigung zum Einschlafen am Tag
    Es gibt viele Möglichkeiten, warum Ihr Kind am Tag sehr müde ist und öfter mal ungewollt einschläft. In den meisten Fällen lässt sich diese Müdigkeit durch Schlafmangel erklären und einfach wieder ausgleichen. Sollte sich das Befinden aber nicht nur durch zu wenig Schlaf erklären lassen, sollten Sie zu uns kommen, um die Ursache abklären zu lassen. Diese könnte organisch oder durch eine Erkrankung bedingt sein.Möglich ist z.B. das verzögerte Schlafphasensyndrom, von dem meist Jugendliche betroffen sind. Sie können vor 3 oder 5 Uhr morgens nicht richtig einschlafen und haben am Morgen große Mühe, aus dem Bett zu kommen. Eine andere Ursache ist die Krankheit Narkolepsie. Betroffene Kinder können mitten beim Essen, Sprechen oder sogar beim Spielen und Herumtollen plötzlich einschlafen. Mehrmals am Tag haben sie unkontrollierte Schlafattacken, die wenige Sekunden bis eine halbe Stunde andauern können.

Tipps für einen optimalen Schlaf

Viele Einschlaf- und Durchschlafprobleme lassen sich mit diesen Tipps beseitigen:

  • Achten Sie auf die richtige Schlafumgebung: Schalten Sie störende Licht- und Lärmquellen ab und sorgen Sie für die richtige Raumtemperatur (ca. 18 Grad).
  • Setzen Sie auf einen geregelten Tagesablauf. Dieser beeinflusst den Schlaf-Wach-Rhythmus des Kindes positiv.
  • Lassen Sie das Kind bereits am Nachmittag keine koffeinhaltigen Getränke wie z.B. Cola mehr konsumieren.
  • Gestalten Sie die Zeit vor dem zu Bett Gehen ruhig. Das Kind sollte nichts Anstrengendes oder Aufregendes mehr unternehmen.
  • Führen Sie jeden Abend ein Einschlafritual durch: Lesen Sie eine Geschichte vor oder lassen Sie das Kind eine Erzählung über den CD-Player hören.
  • Schlafen oder zu Bett Gehen sollte niemals als Bestrafung erfolgen.
  • Rauchen Sie nicht in dem Zimmer, in dem Ihr Kind schläft. 

Kinderarzt Düsseldorf: Therapie von Kindern mit Schlafstörungen

Sollte Ihr Kind unter Schlafstörungen leiden, die nicht innerhalb von ein paar Tagen von allein wieder abklingen oder nicht erklärbar sind, dann sollten Sie bei uns einen Termin vereinbaren. Wir gehen der Ursache auf den Grund. Hilfreich ist es, wenn Sie ein Protokoll der Gesamtschlafzeit Ihres Kindes erstellen. Diese summiert sich aus der Zeit des Tages- und Nachtschlafs. Notieren Sie, wann Ihr Kind schlecht schläft und welche Besonderheiten es gibt.

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